Emei Methode:

 

Der Emeishan, einer der vier berühmten Berge des chinesischen Buddhismus, ist im Südwesten des Kreises Emei in der Provinz Sichuan, China lokalisiert.

 

Seinen einander gegenüber aufragenden Gipfeln, die in ihrer Gestalt geschwungenen Augenbrauen gleichen, verdankt er seinen Namen (wörtlich: "Berge der wunderschön geschwungenen Augen­brauen").

 

Gemäß der Überlieferung war es Chanmeister Baiyun, der am Ende der Südlichen Song-Zeit (1127-1279) lebte, der die 12 Sequenzen der Emei­Methode, die zur Emei Linji-Schule des Chan­-Buddhismus gehören, (später Zen Rinzai Schule in Japan) auf der Grundlage des dao­istischen Werkes "Klassiker der Gelben Halle" und anderer Schriften entwickelt hat.

 

Prof. Jiao Guorui hat zwei der insgesamt 12 Übungs­sequenzen (Gehöfte) der Emei-Methode vermittelt, nämlich die Sequenzen "Himmel" und "Erde", die den Be­ginn der Emei-Übungen bilden.

 

In ihrer äußeren Erscheinungsform verbinden die Emei-Übungen Elemente von Pfahl-Übungen, Übungen-in-Bewegung (donggong) und Übungen zum Leiten und Dehnen (daoyin), also grundlegender Inhalt des Qigong Yangsheng.

 

Kraftvolle Hal­tungen verbinden sich mit subtiler Bewegung. Hierbei spielen feine, sich schlängelnde Bewegun­gen eine große Rolle. Eine weitere Besonderheit ist das "Trennen des Qi entsprechend den Leit­bahnen", wobei spezifische Hand- und Fußkräfte und die Bewegung der Finger und Zehen eine große Bedeutung erfahren.

 

Die Bewegungen und Körperhaltungen lassen einen engen Bezug zu wichtigen Einflussorten und Akupunkturpunkten erkennen. Die Übungen können in Verbindung mit Lauten, die dem Charakter der Bewegung, z.B. Sinken oder Öffnen, entsprechen, ausgeführt werden.

 

Sonnenaufgang, Wolkenmeer, Buddhaglanz und Heiligenleuchte sind die vier berühmten Naturer­scheinungen des Emeishan. Bei dem Buddhaglanz und der Heiligenleuchte handelt es sich um Licht­erscheinungen, die unter bestimmten natürlichen Bedingungen durch die Sonnenlichtreflektionen auf den feinen Wassertropfen der Wolkenbildungen entstehen.

 

Sonnenaufgang, Wolkenmeer, Buddha­glanz und Heiligenleuchte dienen auch als Metapher für die geistige Befindlichkeit, die sich bei der Praxis der Emei-Übungen in einem guten Übungszustand einstellt.

 

 

 

 

 

Zwei Emei Merkversen:

 


1.

 

Sich nach dem Himmel richten und

die Erde zum Vorbild nehmen

 

Aus Kreis & Leere

entstehen alle Methoden

 

Ein Groß- und ein Kleinwerden,

ein Öffnen & ein Schließen

 

Das Geheimnis liegt

allein im Herzen

         2.

        

         Was bewegungslos erscheint

         ist das wahre Yin/Yang

        

         Wird dieses Kleinod

         nicht bewegt

 

         Wird dessen Entfaltung und

         Wirkung regelrecht sein

          

        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Bemerkungen zu den Merkversen:

 

Kreis bedeutet: werden und vergehen

Leere bedeutet: Dao/Wuji/Qi/das Potentielle

 

Die Leere (im Sinne von undifferenziertem Chaos) ist der höchst schöpferische Zustand, Quelle der Lebendigkeit.

 

Chinesische „Hun Dun“ bedeutet den Zustand der Ungetrenntheit vor Beginn der Welt, der Gestaltlose.

 

Was schon zur Form geronnen ist; (Taiji = Yin Yang Differenziertheit) das Geformte, verliert an Lebendigkeit.

Daher die Verehrung der Ungeformtheit ist gleich Lebendigkeit

 

„Form ist eine Zusammendichtung zur Pforte des Dantian, welche in die Freiheit führt.“ (s. 2. Merkvers)

 

 Die Form richtig zu Üben führt aber dann doch in die Freiheit:

 

„In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.“ J.W. v. Goethe